1942 Brief/Postkarte 38

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Max Müller, Themar, an Meinhold Müller, Göteborg, den Freitag, den 27. März 1942.

Lieber Meinhold!
Heute erhielten wir Deinen Brief vom 17.3, der uns allerlei Neuigkeiten von Dir brachte. Hoffentlich behältst Du Deine nette Stelle. Ich brauche Dir ja nicht erst ans Herz zu legen, daß es nur auf Fleiß, Treue u. Gewissenhaftigkeit von Dir ankommt, wie Dein Chef mit Dir zufrieden ist. Also sorge darin dafür, daß es eine Dauerstelle ist, Jeder ist seines Glückes Schmied. Ist Dein Chef auch ein Glaubensgenosse? Nun können wir auch von hier wichtige Neuigkeiten berichten. Bachmann u. Frau sind verstorben, die im Hause Frankenberg wohnten. Die Wohnung (nur 2 Zimmer) ist nun frei u. vorhin war ein hiesiger Polizeibeamter bei uns, der unsere Wohnung einsah u. uns eröffnete, daß wir in aller Kürze damit zu rechnen hätten, in die Bachmanns Wohnung, also in Frankenbergs Haus ziehen zu müssen. Also wir müssen aus unserem eigenen Haus, wie es das fast in allen Orten schon länger ist. So bald unser Umzug feststeht, geben wir Dir Bescheid. Wahrscheinlich bleiben wir auch dort nicht lange, wir werden wohl zu Onkel Sebald u. Karola kommen. Onkel Max & [Markus u. Else] Rosenbergs, die in Herberts Haus wohnen, wurde ebenfalls eröffnet, daß sie sich zum Umzug nach Frankenbergs Haus gefaßt machen müssen. Auch in Meiningen sind sämtliche Glaubengenossen in 2 Häusern untergebracht. – Auch bei uns ist jetzt prächtiges Frühlingswetter und der Schnee fast weg. Ich habe mir Sämereien für den Garten beschafft, doch fällt bei unserem Umzug natürlich die Gartenbestellung weg. In dem Hause wären dann sämtliche 5 Familien untergebracht. — Hast Du schon versucht, auf der neuen Luftpostlinie, von der Du schriebst, an Herbert zu schreiben? Nachstehend gebe ich Dir wunschgemäß seine Adresse an: Mr Herbert Müller, 162-05 89 Ave Apt. 5 L Jamaica L.I. N.Y – USA. Es wäre ja schön, wenn Ihr mit einander korrespondieren könntet. Von den Nürnbergern haben wir seit November nichts gehört, auch nichts von Sterns [Karola, g. Nussbaum, u. Jacob Stern] – Kassel. Sonst ist nichts besonderes aus der Verwandtschaft zu berichten, nur Onkel Hermann [Müller in Eschwege] sind vor 2 Monaten ausgezogen. Die Fuldaer [Maxs Schwester Karoline und ihr Mann Louis Goldmeier],  noch in ihrer alten Wohnung. Daß Bella-Fulda [die Tochter von Karoline u. Louis Goldmeier, Bella u. ihr Mann, Moritz Goldmeier] mit ihrem Töchterchen letzten Sommer zu ihrem Mann nach USA gekommen ist, weißt Du ja sicher. Und nun noch viele herzliche Grüße von Deinem Papa.
Mit meinen Füßen geht es besser.

Lieber Meinhold! Mit Deinem ausführlichen Brief haben wir uns sehr gefreut. Das ist aber auch die einzige Freude die man jetzt hat. Hoffentlich kannst Du Deine Stellung halten. Im Sommer ist es ja im Freien angenehmer aber die paar Sommermonate sind schnell hin u. dann ist es im Raum für Dich gesünder. Wie gern lebten wir mit Dir zusammen wenn es nur möglich wäre. Wir sind gesund u….[das] ist ja schon was wert . . . Nächste Woche sind Feiertage. Man wird nicht viel davon merken. Das Wetter ist wunderbar, doch möchte man nicht spazieren gehen. Woher kannst Du Dein Englisch? Es würde mich sehr interessieren wieviel Du kannst. Wir haben viel Stunden genommen u. das Lernen hat mir Spaß gemacht. Nun schreibe uns recht bald wieder. Sei herzlich gegrüßt von Deiner Dichliebende Mama.

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