Die Familie von Karl & Hulda (geb. Schlesinger) GRÜNBAUM

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Karl Grünbaum war der jüngste Sohn von Noah Grünbaum und das einzige Kind von Noah und seiner zweiten Ehefrau Josefine, genannt Sophine, Grünbaum, das nicht bereits im Kindesalter starb. 1876 in Themar geboren, verbrachte er dort bis 1913 insgesamt 37 Jahre.

In den ersten Lebensjahren wohnte Karl in der Hintertorstraße 170 in Themar, ungefähr auf halbem Wege zwischen Marktplatz und Bahnhof. Auf der alten Postkarte (s. Foto) befinden sich Wohngebäude und Geschäft links im Bild mit Blickrichtung Süden auf Rathaus und Marktplatz. Das Foto von 2014 zeigt das Gebäude im heutigen Zustand.

Karl besuchte die alte Bürgerschule nahe der Sankt-Bartholomäus-Kirche. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verlegte Noah Grünbaum sein Geschäft, Warenhaus N-H. Grünbaum, aus der Bahnhofstraße 170 (die Hintertorstraße wurde umbenannt) in die Hausnummer 150, also in Richtung Bahnhof.

Die Jahrhundertwende brachte einschneidende Veränderungen für Karl. Zunächst starb im Januar 1901 sein Vater Noah. Dies sowie seine Heirat mit Hulda Schlesinger im Jahr 1904 hatte ungewöhnliche Auswirkungen auf die Besitzverhältnisse des Familiengeschäfts. Unter gewöhnlichen Umständen fiel die Geschäftsführung an den ältesten Sohn aus erster Ehe, also in diesem Fall Hugo Grünbaum. Stattdessen hat Hugo …. Karl leistet das Geschäft N. H. Grünbaum weiter allein.

1905 jedoch, als Bertha [geb. Grünbaum] und Jacoby Seckel beschlossen, aus Themar fort zu ziehen, und nachdem Karl and Hulda geheiratet hatten, fasste Hugo den Entschluss, das Geschäft essay on shah abdul latif bhittai in sindhi descriptive essay writing techniques https://erasmus.uctm.edu/fastshipping/is-it-illegal-to-possess-viagra-in-mexico-without-a-prescription/88/ actos de la celestina resumidos essay about someone you fear organic viagra for men go here https://journeysmobilevet.com/edimprove/viagra-ready-man/26/ https://lincolnnova.com/dailyuse/viagra-and-other-pills/83/ psych wiki viagra falls https://lawdegree.com/questions/essay-on-life-of-an-indian-farmer/46/ get link funny photo essay see url formal literary essay outline a level pe coursework edexcel que efectos tiene la viagra en el hombre buy viagra in the store usa cvs help me with my homework maple penjual viagra di jogja cialis in dubai online cual es el mejor cialis generico watch dissertation topic financial reporting essay on teenagers life hot wife in levitra who is the actress in the cialis commercial https://samponline.org/blacklives/ca-display-cfm-ethesisid-1115/27/ viagra blutbild click Grünbaum & Seckel zu übernehmen. Am 1. Mai 1905 annoncierte er die Geschäftseröffnung unter seinem Namen und den gleichzeitigen Umzug vom Marktplatz in die Bahnhofstraße 143, also quasi direkt gegenüber dem Warenhaus N. H. Grünbaum. Hugo und seine Frau Klara zogen mit ihrer kleinen Tochter Mira, geb. 1903, aus der Bernhardtstraße (heute Leninstraße) in die Bahnhofstraße. Karl und Hulda führten das Warenhaus N. H. Grünbaum weiter. Auf dem Foto unten sieht man Hulda am Fenster im Obergeschoss stehen und Karl am Eingang [zum Vergrößern bitte klicken]

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Hulda Grünbaum (geb. Schlesinger) wurde 1876 in der Kleinstadt Wasungen geboren. Die Schlesingers waren eine von höchstens zwei oder drei jüdischen Familien im Ort. Ihre Eltern waren Abraham und Fanny Schlesinger (geb. Fuchs), und sie hatte mindestens zwei Brüder, Julius und Gustav, geb. 1883. Am 29. Januar 1911 brachte Hulda ein Mädchen namens Irene zur Welt. Die glücklichen Eltern annoncierten die Geburt der Kleinen in der Lokalzeitung. Obwohl der Text der Anzeige nahe legt, dass das Baby gesund war, verstarb Irene traurigerweise nur fünf Tage nach Veröffentlichung am 4. Februar 1911.

Quelle: Zeitung für Themar, Stadtarchiv Themar.

1912 verkaufte Karl das Geschäft an Markus Rosenberg. Vermutlich gab es mehrere Gründe. Werbeannoncen der beiden Geschäfte Grünbaum zeigen, dass ihr Sortiment sich kaum unterschied.Dies kann an manchen Orten ein Standortvorteil sein, aber die Kaufkraft in Themar war begrenzt. Es mag darüber hinaus subtil Druck auf Karl ausgeübt worden sein von Seiten der Familie. Als jüngerer der Söhne von Noah Grünbaum war es eher an ihm als an Hugo, zu weichen.

Vielleicht auch wollten Karl und Hulda einfach ihr Glück in der erheblich größeren Stadt Erfurt suchen. Erfurt, das damals anders als heute zur preußischen Provinz Sachsen gehörte, hatte 1910 etwa 110.000 Einwohner und eine jüdische Gemeinde von ungefähr 750 Mitgliedern. Karl und Hulda zogen am 1. April 1913 nach Erfurt und wohnten dort in einer Wohnung in der Regierungsstraße 19, vermutlich im zweiten Haus von rechts auf obigem Foto. Am 29. Februar 1916 wurde Tochter Ilse geboren, fünf Jahre darauf der Sohn Kurt.

Am 23. Oktober 1916 wurde der 40-jährige Karl im Ersten Weltkrieg in die deutsche Armee eingezogen, wo er bis zum Kriegsende diente. Unten sehen wir Karl (links) in voller Kriegsmontur mit seinen Kameraden. Auf beiden Gruppenfotos ist Karl in der ersten Reihe zu sehen, allerdings jeweils auf der gegenüberliegenden Seite. Die Männer auf dem unteren Gruppenfoto sind auf der Rückseite namentlich genannt.

Im Anschluss an den Ersten Weltkrieg gründeten Karl and Hulda eine Reihe von Geschäften. Ab 1920 leiteten sie die Firma Grünbaum & Co., Lack-, Farben- und Kitt-Industrie. Während der Zwanzigerjahre dehnten sie ihr Angebot auf zusätzliche Produkte aus. 1924 eröffneten sie ein Geschäft fürManufakturwaren in der Regierungsstraße 18. 1930 boten sie zusätzlich Webwarenan, also Artikel wie Strumpfhosen, Socken usw.

Karl war oftmals in kleinen Städten und Dörfern im östlichen Sachsen und in Thüringen unterwegs. Als die Kinder älter waren, wurde auch Hilda sehr reisefreudig.

Die Postkartensammlung, die Ilse seit frühester Kindheit betrieb, legt Zeugnis ab von den Reisen der Familie. Die Sammlung war ihr so ans Herz gewachsen, dass sie sie sogar ins Exil mitnahm, zunächst 1939 nach England und dann 1948 nach Australien. Für Historiker sind diese Postkarten eine großartige Auskunftei, die uns die Geschichte einer liebevollen Familie erzählt, die eng zusammen hielt. Karl sandte unablässig Nachrichten von den Orten, an die ihn die Geschäftstätigkeit verschlug. Beide Eltern schrieben an Ilse, wenn sie zum Urlaub in Schmalkalden beim Großvater Abraham Schlesinger und bei Onkel Gustav und seinen Kindern Karl und Anni weilte. Grete, Norbert und Max Rosenthal, die Kinder von Minna Rosenthal (geb. Grünbaum), Karls Stiefschwester, blieben ebenfalls eng in Verbindung. Unten sehen wir eine Karte von Karl, die er 1921 als Gruß von der Leipziger Messe an die fünfjährige Ilse schrieb.

Als das Naziregime 1933 an die Macht gelangte, begann sofort die Verfolgung jüdischer Familien wie der Grünbaums. Die Regierung rief zum Krieg gegen jüdische Geschäfte auf. Für den 1. April 1933 wurde ein Totalboykott angeordnet. Die wirtschaftliche und soziale Lage der Familie verschlechterte sich zusehends während der 1930er Jahre. Im September 1938 schlossen die Geschäfte der Familie Grünbaum in der Regierungsstrasse. Im September 1939 musste Karl auch seine Vertreterlizenz abgeben und konnte seine Produkte nicht mehr in der Umgebung feilbieten.

Es ist unklar, ob Karl und Hulda bereits vor dem November 1938 ernsthaft Möglichkeiten zur Auswanderung erwogen. Die Reichspogromnacht im November 1938 änderte die Situation schlagartig. Karl Grünbaum wurde in Erfurt verhaftet, ebenso der 17-jährige Kurt, der jünger war als die meisten anderen Inhaftierten. Unter den 10.000 Männern, die in extra für diesen Zweck errichteten Baracken zusammengepfercht wurden, befanden sich auch Verwandte  von ihnen: Hugo Grünbaum aus Themar, Norbert und Max Rosenthal aus Apolda und Gustav und Karl Schlesinger aus Schmalkalden. Karl dürfte auch die meisten anderen Männer gekannt haben, die in Themar verhaftet und von dort verschleppt worden waren.

Die meisten der Grünbaums wurden im Dezember entlassen. Karl Grünbaum zum Beispiel durfte am 8. Dezember 1938 Buchenwald verlassen. Eine Ausnahme war Max Rosenthal, der dort bis zum 12. April 1939 festgehalten wurde. Für die Zukunft stand fest, dass es für jüdische Menschen in Nazideutschland keinen sicheren Ort mehr geben würde. Die Politik der Nazis, Juden durch erzwungene Auswanderung oder Ausweisung aus Deutschland zu vertreiben, blieb bis in den September 1941 intakt.

Ilse und Kurt Grünbaum gelang die Flucht, bevor die Falle zuschnappte. Als die Deutschen jedoch im Frühjahr 1940 in den Niederlanden, Belgien und Frankreich einfielen, wurden Kurt und Ilse als ‘enemy aliens’ eingestuft, also als dem Kriegsgegner angehörige Ausländer. Ilse durfte in London verbleiben, wo sie als Hausmädchen arbeitete. Ihr Sohn schreibt: „ … in gewisser Weise folgte ihr der Krieg nach London. Ich kann mich erinnern, wie sie von den nächtlichen deutschen Bombardierungen erzählte, bei denen sie im Luftschutzbunker oder in U-Bahntunneln Schutz suchte und schlief. … Sie nahm trotz alledem am gesellschaftlichen Leben teil und blieb mit in paar Freunden viele Jahre lang in Verbindung.“ Kurt geriet am 1. Juli 1940 in London in eine Razzia und wurde am 6. September 1940 auf der berüchtigten HMS Duneranach Australien deportiert.

Archivfunde lassen darauf schließen, dass Karl und Hulda die Ausreise aus Deutschland beantragten; nach Möglichkeit in die USA oder, falls das nicht möglich sei, nach England. Vermutlich bemühte sich auch Huldas Bruder Gustav, der im April 1939 mit seiner Frau und den beiden Kindern nach Argentinien emigrierte, um Auswanderungspapiere für seine Schwester.

Jedoch waren alle Anstrengungen vergebens. Am 19. September 1942 wurden Karl und Hulda nach Theresienstadtdeportiert. Im gleichen Zug befanden sich auch Karls Stiefbruder und Stiefschwester Hugo Grünbaum und Minna Rosenthal (geb. Grünbaum), sowie die Schwägerin Klara Grünbaum (geb. Schloss).

Die drei Kinder von Noah Grünbaum – Hugo, Minna und Karl – sowie Hugos Ehefrau Klara kamen alle im Ghetto von Theresienstadt um. Hugo und Klara starben im Oktober bzw. November 1942, Karl im März 1943 und Minna im Juni desselben Jahres.

Hulda Grünbaum jedoch überlebte. Zu Jahresbeginn 1945 wurde eine Übereinkunft getroffen, der zufolge jüdische Organisationen über finanzielle Zuwendungen an Heinrich Himmler die Entlassung von Juden aus dem Ghetto von Theresienstadt erreichten.Am 5. Februar 1945 um 16 Uhr war Hulda eine von 1.200 Jüdinnen und Juden, die aus Theresienstadt in die Schweiz aufbrachen. Gegen 18 Uhr am 7. Februar 1945 überquerte ihr Zug zwischen Konstanz und Kreuzlingen die schweizer Grenze und setzte seinen Weg nach Sankt Gallen fort. Von dort aus wurden die Überlebenden gruppenweise an verschiedene Orte in der Schweiz gebracht. Hulda befand sich in einer Gruppe, die in Montreux, im Südwesten der Schweiz, Quartier fand. Die Gruppe, die am 17. Februar 1945 dort anlangte, wurde im Hotel Belmont untergebracht. Im Verlauf des Jahres zog Hulda nach Locarno um, wo sie im Grand Hotel Brissago wohnte.

Am 16. Februar 1945 veröffentlichte der Aufbau, eine jüdische Zeitung in New York, die erste Namensliste von Jüdinnen und Juden, die die Schweiz erreicht hatten. Unter den Namen befand sich auch der von Hulda. Vermutlich las dies ihr Verwandter Paul Wildau in Kalifornien, der selbst im Mai 1938 in die USA geflohen war. Schnellstmöglich nahm er Kontakt auf.

Am 11. April 1945 sandte Paul Wildau das folgende Telegramm (s. unten links) an Hulda im Hotel Belmont:

“ILSE KURT WELL. ILSES ADDRESS FLAT 24 HAVERSTOCK HILL 69 LONDON NW3 PVT KURT GRUENBAUM  V513682 8th EMPLOYMENT COMPANY AMF [AUSTRALIAN MILITARY FORCES] AUSTRALIA KISSES = PAUL WILDAN” [ Anm. Sheen: Der richtige Name lautet WILDAU].

Paul teilte also Hulda mit, dass ihre Kinder wohlauf waren und wo sie sich befanden. Hulda schrieb kurz darauf vom Hotel Belmont aus eine Postkarte an ihre Tochter Ilse:

Liebe Ilse, ich schicke dir diese Karte, um dir meine Befreiung aus Theresienstadt in die schöne Schweiz ins Montreux Hotel Belmont anzuzeigen. [Ich wurde] am 20. September 1942 nach Theresienstadt verschleppt und bin am 5. Februar 1945 in die Schweiz aufgebrochen. Angekommen in Montreux am 13. Februar. In inniger Liebe, Mutti.”

Und am 11. November 1945 schrieb Hulda an Kurt aus dem Grand Hotel Brissago in Locarno, wohin sie zur Erholung gebracht worden war: „Lieber Kurt, ich sende dir die herzlichsten Grüße aus der schönen Schweiz. In Liebe, Mutti.”

Hulda Grünbaum verließ die Schweiz Richtung England irgendwann im Winter / Frühjahr 1945 / 1946. Mit Ilse zusammen bewältigte sie in London den endlosen Papierkrieg, der nötig war, um die Immigration nach Australien, in Kurts neue Heimat, zu ermöglichen. Ilse bekam ihre Einreisepapiere im April, Hulda im September 1947. Jedoch verging noch viel Zeit bis zum 13. Mai 1948, als Hulda und Ilse endlich mit dem Schiff nach New York aufbrechen konnten, von wo es nach San Francisco weiterging. Von dort schließlich flogen sie mit der Pan American nach Sydney.

Hulda, Ilse und Kurt (der sich umbenannte in Ken Green) siedelten sich in der Umgebung von Melbourne an. Hulda Grünbaum starb 1963. Ilse Meller, geb. Grünbaum, verstarb 1981 und Ken Green 1983. Sowohl Ilse als auch Ken heirateten und gründeten Familien in Australien. Ihre Kinder sind es, die mit uns die Erbstücke ihrer Familie teilen, um so die Geschichte ihrer Großeltern Karl und Hulda Grünbaum zu erzählen. Dafür danken wir ihnen ganz herzlich!

 

 Über Informationen oder Fragen bezüglich der Familien Grünbaum oder Schlesinger würden wir uns sehr freuen. Wenden Sie sich bitte an Sharon Meen @ s.meen79@gmail.com oder smeen@mail.ubc.ca.

 

Quellen:

  1. Soweit nicht anders angegeben, stammen alle Bilder aus der Sammlung Grünbaum / Meller.
  2. Jutta Hoschek, Ausgelöschtes Leben. Juden in Erfurt 1933 – 1945. Biographische Dokumentation. Verlag Vopelius; 1. Aufl. (9. November 2013)
  3. Aufbauist online verfügbar unter: https://archive.org/details/aufbau
  4. Für Informationen und Bildmaterial über die Rettung der Juden aus Theresienstadt im Februar 1945 siehe: digitalassets.ushmm.org/photoarchives/result.aspx?search=MUSY%20MISSION