Schwarza: Die Geschichte von Irma Stern

Die Geschichte von Irma Stern, ihren beiden Töchtern und ihrer Mutter ereignete sich im Dorf Schwarza bei Meiningen. Im Jahr 2023 machte sich Dr. Frank Möller daran, die Geschichte der Familie während des Naziregimes und des Holocaust aufzudecken, sie der heutigen Welt bekannt zu machen und, so hoffte er, Stolpersteine ​​zu ihren Ehren verlegen zu lassen.

Frank und ich kamen in Kontakt, weil Irma und ihre beiden kleinen Töchter am 10. März 1942 ins Ghetto Belzyce deportiert wurden und er ihre Namen auf der Website des Ghettos Belzyce sowie in den Profilen auf geni.com fand.

Vieles über Frank Möllers Suche wird in den folgenden Zeitungsartikeln erzählt. Anfang Januar 2025 beschloss der Gemeinderat die Verlegung von Stolpersteinen in Schwarza, die ersten für Irma und ihre beiden Töchter.

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„Stolpersteine: Gegen das Vergessen und zur Erinnerung“
9. Januar 2025

Eine vor einem Jahr geborene Idee nimmt Gestalt an: Um der Erinnerung an die ehemalige jüdische Gemeinde und die Opfer der NS-Zeit in der Stadt mehr Präsenz zu verleihen, will die Gemeinde Schwarza die Verlegung von Stolpersteinen in Angriff nehmen.
Von Jürgen Glocke

SCHWARZA. Vor einem Jahr sprach der Meininger Arzt Dr. Frank Möller auf der Suche nach Antworten auf die Frage nach dem Straßennamen „Irma-Stern-Straße“ von den sogenannten „Stolpersteinen“ in Schwarza.

Stolpersteine ​​sind ein 1992 vom Künstler Gunter Demnig initiiertes Projekt. Würfelförmige Betonsteine ​​mit einer Kantenlänge von etwa zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet, sogenannte Stolpersteine, werden im Boden verlegt, um an das Schicksal der Opfer und die Zeit des Nationalsozialismus zu erinnern. Sie werden meist niveaugleich vor den letzten frei gewählten Wohnorten der NS-Opfer in den Bürgersteig oder eine andere Gehwegoberfläche eingelassen. Seit Beginn der Aktion wurden über 100.000 Stolpersteine ​​verlegt – in Deutschland und rund 30 weiteren europäischen Ländern. Die Stolpersteine ​​gelten als das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

Frank Möllers Vorschlag, untermauert durch einen Vortrag, den er im Mai 2024 in der Schwarzaer Gaststätte Dalewu gehalten hatte, fand Zustimmung im Publikum und Gehör im Kreistag. Insbesondere Ratsmitglied Ingo Weidig, zugleich Leiter des Henneberg-Museums Kloster Veßra, hatte in der letzten Gemeinderatssitzung 2024 einen entsprechenden Antrag eingebracht. „Ausschuss zur Übergabe der Stiftung Stolpersteine ​​– Spuren – Gunter Demnig“.

Zeitweise lebten mehr als 300 Juden in Schwarza. Nach der Revolution von 1848 kam es jedoch zu einer starken Auswanderung. 1938, im Jahr der Schändung der Synagoge im Novemberpogrom, lebten nur noch wenige Juden in Schwarza, darunter Irma Stern mit ihren Verwandten. Irma Stern lebte mit ihrer Mutter und ihren beiden Töchtern in der Hüttengasse. Irma und die beiden jungen Mädchen wurden am 10. Mai 1942 ins Ghetto Belzyce deportiert. Von Irma und ihren damals vier- und fast 13-jährigen Töchtern fehlt jede Spur.

Das Ortszentrum und der jüdische Friedhof am Ortsrand mit rund 70 Grabsteinen sind die letzten Erinnerungen an die einstige Existenz einer jüdischen Gemeinde in Schwarza. Die während des Novemberpogroms 1938 geschändete Synagoge musste 1980/81 wegen Einsturzgefahr abgerissen werden.

Ingo Weidig betonte, dass die Geschichte der einst relativ großen jüdischen Gemeinde in Schwarza gerade in Zeiten dünner gewordener Zivilisationen eine stärkere öffentliche Wahrnehmung und besondere Würdigung verdiene. Stolpersteine ​​seien besonders geeignet, an das Schicksal der Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern.

Acht jüdische Menschen, die in Schwarza geboren wurden oder dort lange lebten, kamen während der NS-Zeit ums Leben. Laut Weidig soll die Verlegung der Stolpersteine ​​mit drei Personen beginnen: Irma Stern und ihren beiden Töchtern Hanni und Susanne. Die Kosten pro Stein betragen 120 Euro, die beispielsweise durch Spenden und Patenschaften finanziert werden könnten.

Obwohl Projektinitiator Gunter Demnig die Steine ​​üblicherweise selbst verlegt und die Termine daher stark nachgefragt sind, hält Ingo Weidig einen Termin im Jahr 2026 bei zügiger Antragstellung für durchaus möglich. Weidigs Vorschlag stieß im Gemeinderat auf hundertprozentige Zustimmung. „Es ist absolut unstrittig, dass wir unserer Verantwortung gegenüber der Vergangenheit gerecht werden“, sagte Bürgermeister Marco. Die Gemeinde werde die notwendigen Antragsschritte zeitnah einleiten. Zudem bedürfe es der Klärung der genauen Standorte der Stolpersteine. Zwei Häuser in der Irma-Stern-Straße werden derzeit sondiert.“

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Jüdische Geschichte
Erinnerung sichtbar machen

Jürgen Glocke 30.01.2024
Stolpersteine, die an das Schicksal der Opfer des Nationalsozialismus erinnern, wurden in Europa bereits über 100.000 Mal verlegt. Bald auch in Schwarza?

„Warum heißt die Irma-Stern-Straße eigentlich Irma-Stern-Straße?“ Diese Frage stellte sich Dr. Frank Möller aus Meiningen bei einem Besuch in Schwarza. Angeregt wurde er dazu nicht zuletzt durch die Ausstellung „Die Banalität des Verschwindens“, die seit November im Meininger Schloss zu sehen ist. Die in der Ausstellung präsentierten Fotografien von Dr. Jan Kobel aus Arnstadt zeigen die Standorte der 32 ehemaligen Synagogen in Thüringen und den Umgang mit ihnen. Auch Schwarza war Thema.

[Dr. Möller] hat als Vorsitzender des Meininger Fahrradbeirats Kontakt zu Schwarza, insbesondere im Zusammenhang mit Fragen zum weiteren Ausbau des Radwegenetzes im Landkreis. Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, wer Irma Stern war, erkundigte sich Frank Möller in Schwarza. Er konsultierte den Heimatverein und besuchte die Heimatstube, die auch eine Abteilung zur jüdischen Lokalgeschichte beherbergt.

Fasziniert von seinen Erkenntnissen über die Geschichte der Juden in Schwarza und beeindruckt von den zahlreichen Veranstaltungen im Bundesland zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar, fragte er sich, warum diese im Ort nicht deutlich sichtbar sei. Zwar gibt es in Schwarza einen jüdischen Friedhof, dieser liegt jedoch etwas versteckt am Ortsrand. Im Ortskern würde ein Besucher von außerhalb auf den ersten Blick keine Hinweise auf dieses Kapitel der Ortsgeschichte erkennen. Außer dem Straßennamen Irma-Stern-Straße. Es fehlt jedoch der Hinweis darauf, wer Irma Stern war und warum eine Straße nach ihr benannt wurde, dass in dieser Straße die letzten Schwarzaer Juden lebten und sich einst eine Synagoge befand.

In diesem Zusammenhang erwähnte Frank Möller die Aktion „Stolpersteine“. Es sei zwar nur eine Idee, aber durch die Teilnahme an dieser Aktion könne Schwarza ein sichtbares Zeichen der Erinnerung setzen, so Möller.

Die Stolpersteine ​​sind ein 1992 vom Künstler Gunter Demnig initiiertes Projekt. Dabei werden kleine quadratische Gedenktafeln aus Messing, sogenannte Stolpersteine, in den Boden eingelassen, um an das Schicksal von Menschen zu erinnern, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Selbstmord getrieben wurden. Sie werden meist niveaugleich vor den Häusern der NS-Opfer in den Gehweg oder andere Gehwegflächen eingelassen. Mehr als 100.000 Stolpersteine ​​wurden bereits verlegt – in Deutschland und rund 30 weiteren europäischen Ländern. Die Stolpersteine ​​gelten als die größte dezentrale Gedenkstätte der Welt.

Es bleibt abzuwarten, ob sich die Stolperstein-Idee in Schwarza durchsetzen wird. Die wenigen Anwohner, mit denen Frank Möller gesprochen hat, stehen der Idee positiv gegenüber. Eine breite Debatte fehlt jedoch noch. Die Anwohner seien noch nicht konsultiert worden, stünden der Idee aber grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber, sagte Bürgermeister Marco Rogowski.

Zeitweise lebten mehr als 300 Juden in Schwarza. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts, nach der Revolution von 1848, kam es zu einer erheblichen Abwanderung. 1938, als die Synagoge beim Novemberpogrom geschändet wurde, sollen noch sieben Juden im Ort gelebt haben. Die letzten von ihnen wurden 1942 deportiert, darunter Irma Stern, nach der später eine Straße im Ortskern benannt wurde, mit ihren beiden Kindern im Alter von sechs und drei Jahren. Sie sollen in ein nationalsozialistisches Vernichtungslager nach Polen deportiert worden sein und dort umgekommen sein. Nach dem 20. September 1942 war Schwarza „judenfrei“, wie es damals hieß.