Martin Rosskamm

Siehe „Die Familie Rosskamm“
Siehe Stefan Rosskamm

Das letzte Spiel des Fußball-Clubs ,Schwarz-Gelb“ oder ,Einer für alle – alle für einen“
In Schwarza lebt seit jeher ein sportbegeistertes Völkchen, eine Tradition, die sich bis heute erhalten hat. So gab es um die Wende vom 19. zum 20. Jh. zwei Sportver-eine, den Arbeitersportverein – auch „Rot-Sport“ genannt – und die Deutschen Sportler, die sich mit Gut Heil“ begrüßten und auf deren Gürtelschnalle zu lesen war: „Frisch, fromm, fröhlich, frei“. Allen Vereinen und Clubs stand ein im Jahr 1912 erbautes Jugendheim zur Verfügung. Darüber hinaus war für die Leichtathle-ten, Hand- und Fußballspieler ein Sportplatz angelegt worden. Die Fußballspieler waren in zwei Clubs organisiert.


Die Fußballmannschaft TSV 1895 Schwarza, Aufnahme um 1930

Der Fußball-Club „Schwarz-Gelb “ Schwarza. Aufnahme Anfang der dreißiger Jahre des 20. Jh.
Die Sportfreunde von li. nach re.: hintere Reihe stehend: Göpfert, Roßkamm, Walther I, Graf, Schirm
mittlere Reihe: Kümmel 1, Löh-nert, Lehmann, vordere Reihe: Seiter, Kümmel II, Walther II

Nach der „Machtergreilung“ Hitlers wurde die gesamte deutsche Sportbewegung-gleichgeschalter“ und in dem sogenannten Reichsbund für Leibesübung und Körperertüchtigung zusammengeschlossen. Das Vereinsleben kam in Schwarza zum Erliegen. Doch im Sommerdes Jahres 1935 wart hier ein aubergewohnliches spon-liches Ereignis seine Schatten voraus. Die Fußballfans waren begeistert. Der Libero ihrer Schwarz-Gelb“- Mannschaft hatte es fertiggebracht, eine der spielstärksten Mannschaften der damaligen Zeit in Deutschland, die Spielvereinigung Schweinfurt 02, zu einem Freundschaftsspiel in seinem Heimatort zu gewinnen. Was aber die Wellen der Begeisterung bei den Fans so hochschlagen ließ, war die Erwartung: hier auf heimischen Rasen ihre Idole, die Nationalspieler Kupfer und Kitzinger auf. laufen und Tore schießen zu sehen. Die Naziprominenz aber war entsetzt. Nicht wegen des sportlichen Höhepunktes an sich, sondern weil dieser ohne Mitwirkung des nationalsozialistischen Reichsbundes, ausgerechnet von dem jüdischen Libero Martin Roßkamm organisiert worden war. Wie hatte das Martin Roßkamm zustan-degebracht?
Der damals 21 jährige, dessen Großmutter aus Kitzingen gebürtig war, hatte durch verwandtschaftliche und geschäftliche Verbindungen seines Vaters Kontakte zu den Idolen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Kitzinger und Kupfer aus Furth. Uber sie war es ihm gelungen, mit der Spielvereinigung Schweinfurt das bevorstehende Fußballspiel zu organisieren. Pünktlich 13.45 Uhr liefen beide Mannschaften auf dem Fußballfeld ein und nahmen Aufstellung. Schiedsrichter Amberg aus Zella-Mehlis streckte seinen Arm aus, verwies auf die Geldmünze, die auf seiner flachen Innenhand lag. und fragte den Spielführer der Schweinfurter Mann-schaft: „Wappen oder Zahl* In diesem Augenblick, als die Seitenwahl erfolgen sollte, eneichten drei Männer, von denen einer ungewöhnlich dick war, den An-stoßkreis. Der Dicke war der Kreisleiter der Nazipartei Otto Recknagel aus Stein-bach-Hallenberg, der wegen seiner Körperfülle auch Doppelotto genannt wurde. Er fordene den Schiedsrichter aut, das Spiel nicht eher anzupfeifen, bevor nicht dieser Jude – dabei zeigte er aui Martin Roßkamm – das Spielfeld verlassen hätte. Diese Forderung rief den Protestder Spieler beider Mannschaften und bald auch der Zu-schatter hervor. Stimmen wurden laut: ,Laßt ja den Martin drin“. Schließlich brachten es Martins Mannschaftskameraden auf den Punkt. Wie aus einem Munde er-Klarten ste: „Wenn Marun raus muß, spielen wir weder heute, noch jemals wieder“. So offensichtlich beeindruckt durch diesen Mannschaftsgeist und die immer unruhiger werdenden Zuschaner verließen der Kreisleiter und seine Begleiter den Sport-platz. Mit einer haben Stunde Verspätung begann das Spiel, in dessen Verlauf 13 Tore geschossen wurden. 9 durch die Schweinfurter und 4 durch die Einheimischen. mit dem unerwünschten“ Martin Roßkamm. Es war das letzte Spiel der Schwarz» Gelben“, denn die Nazi-Machthaber duldeten in deutschen“ Vereinen keine Juden. Martins Mannschaftskameraden aber standen zu ihrem Wort, ohne ihn spielten auch sie nicht mehr.

In der Folgezeit wurden die Lebensbedingungen für die wenigen jüdischen Einwohner Schwarzas immer unerträglicher. Martin Roßkamm und seiner Familie gelang noch vor der Progromnacht 1938 die Zuflucht nach Amerika.