1939 Brief/Postkarte 4

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Max Müller, Herbert Müller u. Clara Müller in Themar, an Willi Müller, Palestine, den 29.Januar 1939

Lieber Willi! Nachdem wir uns[ere] Sonntagsklöße verzehrt habe ich kann Dir leider keine beifügen – will ich Dir wenigstens mitteilen, daß sie gut geschmeckt haben. Ihr werdet zwar keine Klöße bekommen, dafür aber nach Deinem Bericht Lebensmittel von ähnlicher Gestalt, nämlich Apfelsinen. Diese gibt es hier auch – für l. Oma holen wir ab & zu welche die einem aber vor saurem Geschmack d. Gesicht krumm ziehen! Von Meinhold bekamen wir heute auch Brief & ebenso einen solchen v. meinem Vetter Herbert Sweed mit d. Mitteilung, daß er für Mama & mich ein Affidavits am 31/1. an das amerik. Konsulat in Berlin abgesandt hat. Hört Ihr aus d. Radio von Stuttgart auch abends „das große Wecken“? Das heißt die Judenfeindlichkeiten? Ich bin jetzt im Hause das Mädchen für alles & ersetze Dienstmädchen & Aufwartefrau. Habe mich schon sehr gut eingewöhnt. Herbert erhielt jetzt vom d. „Jewish Aid Company“ in London d. Nachricht, daß ein Onkel Floras in USA die Unterhaltssumme für das jüd[ische] Durchgangslager in England für Herbert erlegt hat. Außerdem schreibt ein Cousin Floras, ein gutsituierter Zahnarzt in Köln, der jetzt seine Praxis lt. [laut] Verfügung aufgeben muß, daß er die Anfertigung orthopäd[ischer] Schuheinlagen erlernt hat & stellt Herbert seine Wohnung & ebenfalls die Erlernung dieses aussichtsreichen Berufs zur Verfügung. Vielleicht nimmt Herbert dies an, da eine etwaige Übersiedlung nach England doch Monate dauern wird. Die gute Uhr lasse nicht reparieren, da sie noch einem Klimawechsel überstehen muß & dann erst repariert werden soll. Hebe sie nur gut auf. Dein Geld halte gut zusammen, vielleicht brauchst Du es noch & sei es in Jahren. Du brauchst nichts davon für Porto auszugeben, wenn X dieses gestellt bekommt. Meinhold & ich wechseln in uns[eren] Briefen immer Zahlen – & Silberätsel mit bekannten Heimatergebnissen, oft sehr ulkig. Heute sandte er ein Zahlenrätsel -Er schrieb, d. Anfangsbuchstaben ergeben einen Berg mit schöner Aussicht unweit Themars. Die Auflösung war „Bräuhinkel.“Nun weiß ich nichts mehr xxx Es grüßt Dein Vater Max Israel Müller

Lieber Bill! L. Flora. Großmutter hat gestern Ihren [sic] 92. Geburtstag gefeiert. Ich will wenn´s klappt, bald nach Köln, wenn ich dort was richtiges lernen kann, hoffe ich schneller zu einer Existenz zu kommen. In USA tun sie viel um mich bald dorthin zu bringen, aber wir bekommen eine beträchtliche Übung im Warten. Sebalds will nach Peru, hoffentlich klappt´s, nach & nach können wir dann unsere Markensammlungen vervollkommnen.
Sternschnick & Robert Sachs sind nach England & Moritz Sachs geht nach Schanghai. Es grüßt Dich herzlich
Dein Herbert

Lieber Willi.
Es bleibt mir nicht mehr viel Raum zum schreiben, aber meine Grüße sollen nicht fehlen. Der Walter ist noch hier, bei allen, die fort wollen, geht es nicht so schnell. Meinhold schreibt g.s.D. [Gott sei Dank] zufrieden. Grünbaums meinten nämlich, Hans sollte sie anfordern, sie wollen auch nach Erez, auch Bachmann hat Spaß daran. Der Naumann ist auch noch nicht fort, auch der Lothar nicht. Hier gibt es gar kein Obst. Die Frau Steffen hat sich wieder verlobt mit dem Firla Ein andermal mehr. für heute herzl. Grüße von l. Oma u. Deiner Dichl Mama­­

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