Die Postkartensammlung von Ilse Grünbaum

unnamedDie Postkartensammlung meiner Mutter, bzw. das „Postkarten Album“, wie es auf dem Umschlag heißt, war eine der wenigen Habseligkeiten, die meine Mutter im Jahr 1939 auf die Flucht aus Deutschland nach England mitgenommen hatte. Das Album beinhaltet Postkarten, die meine Mutter von ihrem Vater und anderen Familienangehörigen bekommen hatte, als sie in Vorkriegsdeutschland aufwuchs. Nach dem Krieg kam die Sammlung mit meiner Mutter mit nach Australien.

Die Postkarten erinnerten meine Mutter an die glücklichen Jahre zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg und zeigen die Verbundenheit zwischen den engsten Angehörigen und der weiter entfernten Verwandtschaft – Menschen, von denen viele die Shoah nicht überlebt hatten.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich die Postkartensammlung mehrmals mit meiner Mutter zusammen angeschaut habe. Da ich aber damals den Kontext nicht kannte, ist mir der tiefere Sinn der Sammlung vollkommen entgangen. So lag das Album nach dem Tod von meiner Mutter im Jahr 1981 einfach irgendwo mit dem anderen Krempel verstaut.

Dann, etwa dreißig Jahre später, das war im Jahr 2014, habe ich versucht mehr über die Eltern meiner Mutter herauszufinden und habe erfahren, dass mein Großvater in Themar geboren wurde. So bin ich auf die Website „Ihre Stimmen leben noch – Jüdisches Leben in Themar“ gestoßen und habe Sharon Meen angeschrieben. Ich habe das Album mit den Postkarten erwähnt und Sharon gefragt, ob sie daran interessiert wäre. Der Rest ist Geschichte. Aber das war auf jeden Fall der Moment, in dem mir zum ersten Mal überhaupt bewusst wurde, welche Bedeutung diese Postkarten haben.

Ich bin sehr froh, dass ich helfen konnte, die Postkarten wieder „ins Leben zu rufen“ und freue mich darüber, dass sie nun der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen und für Forschungszwecke genutzt werden können.

Garry Meller (Ilses Sohn)
Melbourne, Australien
Juli 2015

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Unten kann man sich ein paar Postkarten aus dem Album ansehen.