Kapitel 10: Meiningen

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1936 zogen wir nach Meiningen (28 km nordwestlich von Themar, auch in Thüringen), weil Themar unerträglich wurde und mein Vater einen Job als Packer bei der Firma Heimann und Mai bekam, einem Schuhgroßhandel in Meiningen. Die Fotos 106-109 sind in Meiningen in der Kasernenstrasse #10 aufgenommen, wo wir gewohnt haben, ca. 1937.

(Anmerkung: Von der Kasernenstraße 10 in Meiningen aus verließen Rosengartens im Mai 1939 Deutschland. Berta Rosengarten ist allein  die  gesamte Zeit in Meiningen gewesen, während Paul und seine zwei Söhne in verschiedenen jüdischen Trainingslagern im Nordosten Deutschlands waren, Paul und sein jüngster Sohn wurden  am 9./10. November während der Kristall-Pogromnacht inhaftiert und nach Buchenwald gebracht.]

106. Manfred Rosengarten ca. 1936

 

107. Paul u. Berta Rosengarten

108. Unsere Vermieterin

[Anmerkung: Die Vermieterin könnte Bella Aul gewesen sein. Bella Aul, geb. Reis, 1883 wurde in Schuchtern geboren und war sowohl Kommunistin und auch Jüdin. Sie wurde im Jahre 1943 nach Auschwitz deportiert und war am 31 Dezember 1944 tot. Es gibt heute eine Gedenktafel in der Kasernenstraße.]

109. Meiningen, Kasernenstrasse 10, ca. 1937

Ich kann mich nicht an die Namen der beiden Mädchen erinnern. Das Mädchen links  ging mal als kleines Mädchen in eine Klasse, in der Julius Streicher als Lehrer Lobreden über den “Stürmer” hielt. Er wurde entlassen, weil er kleine Mädchen belästigt hat.

110. Meine Mutter ca.1937-38.

111. Ellen Roer, Meiningen, c. 1938

 

(Anmerkung: Ellen verließ Deutschland und emigrierte in die Vereinigten Staaten mit ihren Eltern, Eugen und Charlotte und ihrem Bruder, Hans und Schwester Ursula. Sie kamen nach New York von Genua (Italien) aus am 9. Mai 1940.)

112. Rudy Frühauf, Meiningen.

(Anmerkung: Rudy Frühauf, geb. 26. 11. 1922 in Meiningen wurde am 24. 08. 1943 nach Auschwitz deportiert.)

113. Walter ??, Meiningen.

Die nächsten drei Bilder wurden im Garten der Synagoge in Meiningen in Thüringen aufgenommen in den Jahren 1935/36. Das war so etwas wie ein Sommer -Camp, aber nicht ganz. Ich bin in der ersten Reihe links und der achte von rechts ist Horst Gelfant (oder Gelfand) aus Erfurt.

Camp 1935/36.1

114. Makkabi Hatzair-Berlin, Meiningen, c. 1935-36.

Camp 1935/36.2

115. Sigi Brenner, Makkabi Hatzair-Berlin Meiningen, ca. 1935-36.

Unser Gruppenleiter, Sigi Brenner „Maccabi Hatzair,“ ist jetzt in Israel. Die Kinder kamen aus Berlin, Leipzig, Erfurt, Meiningen – und aus Themar. Irgendwie traf ich einige dieser Leute später auf meinen Reisen wieder. Wir waren nicht sehr friedlich, weil wir paramilitärische Übungen absolvierten. Wir hatten ein Zelt mit Wache und eine Flagge als ein Symbol neben der Synagoge. Sigi steht davor. Eines nachts wurden wir von einem Trupp österreichischer Nazis überfallen,  die ihr Lager in der Nachbarschaft hatten. Sie waren zu dieser Zeit politische Flüchtlinge aus Österreich. Der Naziputsch war fehl geschlagen. Einige von ihnen schwammen in der Werra, die hinter dem Gebäude war, um uns einzukreisen. Wir verteidigten unsere Flagge und unsere Ehre sehr gründlich, obwohl sie dicker und älter waren, schlugen wir sie.

1936 fand das Camp in dem kleinen Dorf Bibra, in der Nähe von Meiningen statt. Gelfants Mutter wurde dort geboren. Einige jüdische Bauern ließen uns ihre Scheunen und Gärten nutzen, die Jungen waren in einer und die Mädchen in einer anderen Scheune. Wir erzählten uns abwechselnd  Geschichten vor der Schlafenszeit. Ich erzählte eine Geschichte über einen Berg  und einen Hund mit dem Namen Alaska Jim, welcher mein  Spitzname wurde und mich für viele Jahre verfolgte. Einige dieser Leute traf ich in Leipzig und im Hachscharah Kibbutz in Schniebinchen bei Sommerfeld Niederlausitz. wieder.

Camp 1935/36.3

116. Makkabi Hatzair-Berlin- Meiningen, c.1935-36. Das ist einige Stunden nach einem Marsch ohne Wasser, nur mit einem Kieselstein im Mund.

In Meiningen wohnten wir in der Kasernenstraße 10. Direkt gegenüber waren die Baracken des 32sten Infanterie-Regiment. Unsere Vermieterin war eine ehemalige Stadträtin. Sie war Jüdin und eine frühere Kommunistin. Sie musste mit einem Stock gehen wegen ihrer kranken Hüfte. Sie hatte eine behinderte Tochter. Mehr darüber später, ich habe ihre Namen vergessen.

Bevor ich 1937 zu Götz  (der Bauernhof von Theo Götz) in Schleusingen ging und 1938 zu dem Landwerk Neuendorf , war ich an einem Ort namens Schniebinchen in der Niederlausitz, jetzt Polen und in Erfurt in Thüringen, darüber an anderer Stelle. Ich habe keine Bilder.

Kapitel 11: Schleusingen u. Landwerk Neuendorf


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