Die Familie Grünbaum

Die Familie Grünbaum war eine der bedeutendsten Familien für die jüdische Gemeinde in Themar seit ihrer Gründung Anfang der 1860 Jahre und bis zu ihrer Auflösung im September 1942.

Das erste Ehepaar, das aus der Familie Grünbaum nach Themar kam, waren Noa und Minna, geb. Friedmann, Grünbaum. Ihnen folgten Loeser und Johanna, geb. Bergmann, Grünbaum. Wir sind fast davon überzeugt, dass Noa (geboren im Jahr 1841 in Walldorf) und Loeser (geboren im Jahr 1837 in Walldorf) entweder Brüder oder Cousins waren. Wir hoffen darauf, bald Gewissheit zu haben.

Die Familie von Noa H. Grünbaum

Noa und Minna Grünbaum kamen nach Themar entweder Ende der 1860er oder Anfang der 1870er aus Walldorf. Sie kamen zusammen mit ihrem Sohn Hugo, der im Jahr 1868 in Waldorf geboren wurde. Im Jahr 1872 hatte das Paar eine Tochter, Minna, die bereits in Themar auf die Welt kam. Die Mutter, Minna, starb kurz nach der Geburt ihrer Tochter, und Noa heiratete seine zweite Ehefrau Josefine Sophie Schlesinger, geboren im Jahr 1849 in Walldorf. Noa und Josefine hatten drei gemeinsame Kinder, von denen allerdings nur ein Kind, der Sohn Karl, geboren im Jahr 1876, das Erwachsenenalter erreichte. Noa Grünbaum starb im Jahr 1901. Josefine starb drei Jahre später.

In den 1890er Jahren heiratete Minna Grünbaum Samuel Rosenthal und zog zu ihm nach Apolda, wo im Jahr 1898 die Tochter Grete, im Jahr 1901 der Sohn Norbert und im Jahr 1910 der Sohn Max geboren wurden. Minnas Brüder Hugo und Karl blieben weiterhin in Themar. Im Jahr 1898 heiratete Hugo Klara Schloss, geboren in Würzburg, und hatte mit ihr eine Tochter, Mira, geboren im Jahr 1903. Die Familie lebte in der Bernhardstaße, außerhalb der Stadtmauer. Im Jahr 1905, nachdem Jacoby und Bertha, geb. Grünbaum, Seckel aus Themar wegzogen, übernahm Hugo ihr Geschäft Grünabum & Seckel in der Bahnhofstraße 143.

Karl Grünbaum führte weiter das Geschäft seines Vaters, das Warenhaus N.H. Grünbaum in der Bahnhofstraße. Im Mai 1904 heiratete er Hulda Schlesinger aus Wasungen, die Tochter von Abraham und Fannie, geb. Fuchs, Schlesinger und hatte mit ihr im Januar 1911 eine Tochter. Das Mädchen starb nur wenige Tage nach der Geburt. Im Jahr 1913 verließen Karl und Hulda Grünbaum Themar und zogen nach Erfurt, wo im Jahr 1916 ihre Tochter Ilse, und im Jahr 1921 ihr Sohn Kurt geboren wurden.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, war nur eine Familie Grünbaum in Themar: Hugo und Klara Grünbaum und ihre drei Kinder – die Töchter Mira, geboren im Jahr 1903, die Tochter Else, geboren im Jahr 1905, sowie der Sohn Hans, geboren im Jahr 1916. Mira heiratete Arno Sommer (aus der Familie Gassenheimer), der in der Nachbarstadt Hildburghausen lebte, und zog nach der Hochzeit zu ihm. Else heiratete Arthur Neuhaus, der von Werl nach Themar gezogen war und in dem Geschäft seines Schwiegervaters „Hugo Grünbaum“ arbeitete.

Die Familie Grünbaum wurde während der Shoah nahezu vollständig vernichtet. Die drei Kinder von Noa Grünbaum – Minna, Hugo und Karl – wurden ermordet. Insgesamt wurden 12 Menschen aus der Familie Grünbaum in das Ghetto Bełżyce und in das Ghetto Theresienstadt deportiert: Minna Rosenthal, ihre drei Kinder und ihre Schwiegertochter; Hugo und Klara, geb. Schloss, Grünbaum, ihre Tochter Else Neuhaus, geb. Grünbaum; ihr Schwiegersohn Artur Neuhaus und ihre fünf Jahre alte Enkelin Inge. Auch Karl und Hulda, geb. Schlesinger, Grünabum wurden deportiert. Hulda Grünbaum war die Einzige, die überlebt hatte.

Auch mehrere Enkelkinder von Noa haben die Schoah überlebt. Zwei Kinder von Hugo und Klara Grünbaum waren unter den ersten Juden, die Deutschland verlassen hatten. Hans Grünbaum, geboren im Jahr 1916, ging im Jahr 1934 nach Palästina. Seine ältere Schwester Mira verließ Deutschland im Jahr 1936 mit ihrem Mann und Sohn und ging nach Italien. Die Familie hatte den Krieg in Italien überlebt und zog im Mai 1948 weiter in die USA. Karl und Huldas Kinder, Ilse und Kurt, hatten ebenfalls überlebt. Sie verließen Deutschland nach der Reichspogrommnacht im November 1938 und gingen nach England. Nach dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurden beide als „enemy aliens“ – feindliche Ausländer – eingestuft. Während Ilse in London bleiben und arbeiten durfte, wurde Kurt mit der berüchtigten HMT Dunera nach Australien deportiert. Nach dem Ende des Krieges zog Ilse zusammen mit ihrer Mutter Hulda zu ihrem Bruder, der seinen Namen von Kurt Grünbaum auf Ken Green änderte, nach Australien. Hulda starb im Jahr 1963, Ilse im Jahr 1981 und Ken im Jahr 1983.

Bis vor kurzem wussten wir noch fast gar nichts über die Familie von Noa Grünbaum. Doch dann haben wir den Kontakt zu den Enkelkindern von Karl und Hulda Grünbaum in Australien aufgenommen und haben den Zugang zu ihrem Familienarchiv bekommen. Lynda Green, die älteste Tochter von Ken Green, hatte zum Beispiel einen Stammbaum, auf dem die Namen ihrer Großeltern und ihrer Urgroßeltern stehen. So haben wir erfahren, dass Karl Grünbaums Mutter Josephine war, und dass Josephine mit Noa Grünbaum verheiratet gewesen ist. Bevor wir diese Information hatten, war es unmöglich Karl Grünbaum weder der Familie von Noa noch der Familie von Loeser zuzuordnen. In dem Buch „Ausgelöschtes Leben: Juden in Erfurt 1933 – 1945. Biographische Dokumentation“ von Jutta Hoschek findet man zudem einiges über das Leben von Karl und Hulda Grünbaum in Erfurt.

Weitere Links:
Die Familie von Noa Grünbaum
Die Familie von Karl und Hulda, geb. Schlesinger, Grünbaum
Die Familie von Abraham und Fanni, geb. Fuchs, Schlesinger
Nachkommenliste von Loeser und Johanna (geb. Bergmann), Grünbaum
Die Familie von Jacoby und Berta, geb. Grünbaum, Seckel

Wir vermuten, dass die Familie von Loeser und Johanna, geb. Bergmann, Grünbaum auch aus der Nähe von Walldorf stammte. Was wir auf jeden Fall wissen, ist dass Johanna im Jahr 1867 eine Tochter Berta in Walldorf geboren hatte. Ob Loeser und Johanna noch mehr Kinder hatten, ist uns zurzeit nicht bekannt. Wir wissen aber einiges über das Leben von Berta Grünbaum und ihren Ehemann Jacoby Seckel, den sie im Jahr 1890 geheiratet hatte.

An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei den Enkelkindern von Karl und Hulda Grünbaum bedanken, die ihr Wissen mit uns geteilt, und die Dokumente aus ihrem Familienarchiv uns zur Verfügung gestellt haben.

Sollten Sie weitere Information, Kommentare oder Fragen haben, schreiben Sie uns bitte an s.meen79@gmail.com oder smeen@mail.ubc.ca. Wir freuen uns sehr darauf, von Ihnen zu hören.

Grünbaum Family Tree -L. Green

Ancestor Tree of Lynda Green, daughter of Kurt Grünbaum Courtesy: L. Green