1942 Brief/Postkarte 39

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Max u. Clara Müller, Themar, an Meinhold Müller, Göteborg, den 15. April 1942

Lieber Meinhold!
Heute, Mittwoch d. 15.4. erhielten wir Deinen Luftpostbrief, abgestempelt am 7.4. Es geht per Luftpost auch nicht schneller. Wir sind erstaunt über Deine Bemerkung, daß Du seit ungefähr 6 Wochen keine Post von uns erhalten hättest. Das wissen wir uns nicht zu erklären. Wir beantworten jede Post von Dir so schnell als möglich u. hoffen, daß Du unsere unterwegs befindlichen Postsachen noch bekommst. Vor etwa 8 Tagen sandten wir Dir einen Brief an Herbert u. Flora mitgerichtet. Bitte teile uns mit, ob Du ihn erhalten hast. Sonst geht es uns gut, was wir auch aus Deinem heutigen Brief erfahren. Führe Dich immer so, daß der Chef mit Dir zufrieden ist. Jeder ist seines Glückes Schmied und ja nach Deinen Leistungen wirst Du behandelt und bezahlt. Und immer wieder ermahne ich Dich zum Sparen. Vielleicht brauchen wir noch Deine Hilfe für uns u. wenn Du ein Sümmchen erübrigt hast, wirst Du erst sehen, wie das Sparen Spaß u. Freude macht. Wo Sebalds sind, haben wir keine Ahnung. Wir freuen uns auch mit Deinem schönen Zimmer u. Deinem guten Essen im Hotel, auch wir können uns noch vollauf satt essen. Nimm Dir vor, später wenn es geht, wieder streng rituell zu leben. Hauptsache ist ja, daß mit Deiner neuen Stelle ein Aufschwung in Deinen Verhältnissen eingetreten ist. Deine jetzige Tätigkeit wird Dir wohl viel lieber sein, als die vor Deiner Krankheit. – Auch bei uns ist die Luft noch rauh u. der Frühling genau wie bei Euch um einige Wochen verspätet. – Hier wohnen noch Onkel Max, [Markus u. Else, geb. Kahn] Rosenberg, [Hugo u. Klara geb. Schloss] Grünbaum/[Arthur u. Else geb. Grünbaum, u. Inge] Neuhaus, Wwe (Witwe) Frankenberg u. Wwe [Meta] Krakauer. Wir wollen ab jetzt unsere Briefe wieder numerieren u. Du bestätigst uns immer die Briefe. Hast Du von den Amerikanern etwas gehört? Und an Willi kannst Du wohl nicht schreiben? Also gib uns Bescheid, ob unser letzter Brief für Dich u. Herbert angekommen ist. Dein Schulkamerad Schwarz (Möbelfabrik) ist auch gefallen. Nun weiß ich nichts mehr von Belang zu schreiben. Lasse es Dir weiterhin gut gehen und sei vielmals gegrüßt von Deinem Papa.

Lieber Meinhold, Wir freuen uns immer sehr aus Deinen Briefen Gutes zu vernehmen. Auch wir sind Gott sei Dank gesund was ja die Hauptsache ist. Hoffentlich bist Du in Deinem neuen Wirkungskreis gut eingewöhnt u. ist die Stellung eine dauernde. Gebe Dir alle Mühe, damit Dein Chef zufrieden mit Dir ist. Ich glaube, daß wir alle Deine Post bekommen haben. Wir schreiben Dir doch jetzt so oft. Hoffentlich ist nicht alle Post von uns verloren gegangen. Die Marisfelder Marianne Kahn u. ihr Mann sind doch schon länger in Frankfurt im Altersheim, beide sind krank. Er hat Arterienverkalkung, was sich ihm auf die Augen geschlagen hat und sie hat Zucker. Ihrer Tochter Rosel ihr Mann ist auch gestorben. Sehr interessiert hat uns Deine Beschreibung über ein dortiges Restaurant, überhaupt interessieren uns alle Deine Beschreibungen aus dortiger Gegend. Auch hier ist es nachts und morgens noch tüchtig kalt. Aber am Tage sehr schön. – In Marisfeld wohnen nur noch die Metzger Kahn u. [?]. Letzterem seine Frau ist auch gestorben. Von Fulda u. Eschwege [in Fulda lebten Louis u. Karoline Goldmeier, geb. Müller, und in Eschwege lebten Hermann u. Bella Müller, geb. Meyberg] hatten wir bis jetzt immer Nachricht, auch Tante Berta [Nussbaum, geb. Katz, die Frau von Claras Bruder Felix] schreibt immer. Lasse recht oft von Dir hören. Bleibe gesund und sei herzlich gegrüßt und geküßt von Deiner Dichliebenden Mama.

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