1940 Brief/Postkarte 29

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Max u. Clara Müller an Meinhold Müller, Schweden, den 19. Mai 1940
z.Zt [zur Zeit] Bebra, Sonntag, 19. Mai 1940

Lieber Meinhold! Du wirst Dich sehr wundern, aus Bebra etwas von uns zu hören. Wir führten heute unsere länger geplante Reise aus, um die Großmutter in Hannover zu besuchen. Wir haben hier 4 Stunden Aufenthalt von 12-16 Uhr u. benutzen die Zeit zu diesem Brief. Gestern, Samstag abend, erhielten wir Deinen Brief mit den kleinen Gruppenbildchen. Der Brief ist vom 6.3 bis 17.3 gegangen. Den vorigen Brief, ebenfalls mit Bildeinlagen, haben wir Dir ja bereits bestätigt, aber der Brief mit den beiden Bildeinlagen x Willi ist verloren gegangen. Wir glauben nicht, daß er noch ankommt. Wir haben natürlich mit großem Interesse Deine Ausführungen gelesen, daß auch Euer Wirken u. Eure Tätigkeit u. Arbeitsplatz von den Ereignissen beeinflußt wird. Hoffentlich werdet Ihr auch wieder gut untergebracht. Was kann man da sagen, man muß das Beste hoffen. Hauptsache ist ja, daß Euer Land immer neutral bliebt. Du weißt doch sicher, daß die Kriegsgesetze überall in der ganzen Welt streng durchgeführt werden, deshalb befleißige Dich, daß Du alle neuen Verordnungen u. Verfügungen strikt einhältst und Dir nicht leichtsinnigerweise eine Übertretung zuschulden kommen läßt, die sehr leicht zur Festnahme führen kann. — Die Feiertag sind auch bei uns gut verlaufen, wie immer sehr einsam. Mit [??] mußten wir uns ganz furchtbar einrichten, aber wir haben strenger durchgehalten. — Sonst geht es in Themar immer seinen gewohnten langweiligen Gang. Ich habe jetzt im Garten Beschäftigung, aber es will nichts wachsen. Seit Wochen haben wir hier außergewöhnlich kühle, trockene Witterung, es reift noch manche Nacht, so daß sogar schon aufgegangene Pflanzen erfroren sind. — Wir richten diesen Brief an Deine bisherige Adresse in der Hoffnung, daß er Dich auch bei einer Ortsveränderung erreicht. Natürlich sind wir sehr neugierig, wo Ihr hingekommen seid u. über die Art Deiner Tätigkeit. Berichte uns immer, wenn Du etwas von Interesse zu schreiben hast. — Donnerstag, so Gott will, gedenken wir wieder nachhause zu fahren. Und nun viele Grüße von Deinem Papa.

Lieber Meinhold! Wir freuten uns sehr mit Deinem Brief, der grade noch vor unserer Abreise ankam. Wir wollen sehen was unsere liebe alte Oma macht. Tante Else, die den ganzen Winter in Kassel bei Karola war, ist auch wieder zurück nach Hannover gekommen. Von Käthe hatten wir grade vor Schluß noch Brief. Der Fuldaer Bertha, ihr Mann und Schwager sind dieser Tage in U.S.A. angelangt. Maxel u. Martha [Steindler]  wollten nach Chang [Schanghai], aber es sind Geldschwierigkeiten dazwischengekommen. Grüße Deinen Freund Kösten. Auf dem kleinen Bildchen sind wohl auch Schwedenmädels dabei? So, nun wollen wir den Zug nach Hannover abwarten, morgen mehr. Wir fügen einen Antwortschein bei u. bitten um Bestätigung ob Du ihn erhältst.

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