1940 Brief/Postkarte 28

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Max u. Clara Müller, Herbert u. Flora Müller, Themar, an Willi Müller, Palästina. Themar, den 6. März 1940

Lieber Willi!
Deinen Brief vom 12.1. erhielten wir heute u. da die Post jetzt länger geht, wollen wir sofort antworten. Wir ersehen Dein Wohlbefinden, was wir auch von uns berichten können. Du kannst immer die Nummer unserer Briefe bestätigen. Wir hatten dieses Jahr einen furchtbar strengen Winter. Von Weihnachten bis Anfang Februar waren stets 25–30 minus Grad Kälte, einmal minus 35 Grad. Anfang Februar war es eine Woche mild u. Tauwetter, dann waren ¾ des Februars wieder 15-20 minus Grad Kälte. Wir sind froh daß unsere Wasserleitung nicht geplatzt ist, wie bei sehr vielen Leuten. – Über Deine Zukunft können wir leider nicht raten, da wir doch über die Berufsaussichten dort keine Ahnung haben. Wir glauben, daß Du das richtige erkennen wirst. Du brauchst Dich ja noch lange nicht zu entscheiden. Für Deine Geburtstagswünsche vielen Dank. Seit vorgestern arbeiten Herbert, [Arthur] Neuhaus, [Louis] Sander und Julius Rosenberg am Straßenbau bei Siegritz [5 km südostlich von Themar], nachdem sie sich wochenlang um Arbeit bemüht hatten. Am 1. Tag gab es natürlich Schwielen a. d. Händen, aber Herbert kommt gut mit u. es gefällt ihm dabei. – Sonst ist an Neuigkeiten Nichts von Belang von hier zu berichten. Den übrigen Raum will ich Mama überlassen u. vielleicht Herbert, wenn er heute abend nicht zu müde ist. Herzl. Grüße Dein Papa
Ist Meinhard Götz noch bei Dir u. wie stehst Du mit ihm?

Lieber Willi! Nachdem wir lange nichts von dir gehört hatten, freuten wir uns um so mehr mit Deinem heute erhaltenen Brief. Wir ersehen daraus, daß Du wieder gesund bist. Frau Götz Schleusingen war neulich mal hier mit ihren 2 anderen jüngsten Kindern [Herbert, geb. 1927, und Sieglinde, geb. 1932] Du schreibst gar nichts von Meinhard [Götz]. Triffst Du auch manchmal den Scheuers Jungen? Frau [Nanett] Levinstein ist jetzt mehrere Wochen hier um ihre Zähne machen zu lassen, sie lebt doch sonst in Berlin. [S.M.] Müllers Laden wird jetzt umgebaut, die Vereinsbank hat es gekauft u. zieht hinein. In Gassenheimers Haus u. Lager ist eine Suhler Fabrik. Schreibe recht oft u. sei herzlich gegrüßt von Deiner Mama.

Na, Kleiner, heute hab ich an Dein Bild mit dem Pickel gedacht, jetzt weiß ich, wie das ist, es macht mir Spass. Herzl. Grüße Herbert
(am Rand) Dir lb. Willy recht herzl. Grüße von Deiner Flora

 

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