1940 Brief/Postkarte 26

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Max u. Clara Müller, und Herbert u. Flora Müller, Themar, an Willi Müller, Palästine, Donnerstag, 25.1.1940

Lieber Willi! Heute erhielten wir Deinen Brief v. 10.12. mit dem wir uns sehr freuten. Habt Ihr auch Winter? Bei uns u. in ganz Deutschland herrschte seit Weihnachten, also über 4 Wochen, grimmigste Kälte, 25-30 Grad wie sie niemand erlebt hat. Ein Tag brachte sogar 34 Grad. Es gibt viele Wasserleitungsschäden u. erfrorene Kartoffeln. Seit einigen Tagen ist die Kälte auf 15 Grad zurückgegangen u. man atmet ordentlich auf. Dein heute angekommener Brief ist am 10.12. geschrieben, also 6 Wochen gegangen u. zwar 5 Wochen bis zu Meinhold. Wir schlafen morgens, da wir Zeit haben, meistens bis 8 und ½ 9 Uhr. Es gibt dann oft Wege zu besorgen, im Haus u. Hof allerlei zu krautern, nachmittags gehe ich oft mit Herbert oder Mama spazieren. Vorige Woche fuhren Herbert u. ich per Bahn nach Schleusingen u. heimwärts haben wir den Weg 2½ Stunden zu Fuß gemacht. Abends wird gelesen u. auch Karten gespielt. Mama u. ich lernen auch fleißig aus 1000 Worte [Englisch]. Teile uns mit, wie lange dieser Brief unterwegs war, ich werde die Briefe an Dich auch numerieren. Manchmal gehe ich auch noch einmal auf meine Kundendörfer, habe noch kleinere Beträge zu kassieren. Auch wir befinden uns Gott sei Dank bei bester Gesundheit. Herbert u. Flora hoffen, bis Mitte des Jahres ausreisen zu können. Ersterer bemüht sich sehr stark um Arbeit, es findet sich aber nichts. Ich weiß sonst nichts mehr von Belang. Viele Grüße sendet Dein Papa.

Lieber Willi! Also heute haben wir mal wieder Nachricht von Dir bekommen. Es freut mich, dass Du gesund bist u. daß es Dir gut geht. Gestern ist Norbert Sander weggebracht worden in ein Heim in Rheinhessen. Später schreibe ich Dir mal seine Adresse da kannst Du ihm auch mal schreiben. Frau Levinstein wohnt jetzt mit den 2 alten Damen in Berlin, ebenso Maxel u. Martha [Steindler], Frau [Selma] Stern u. Tochter u. Kind, u. Adolf [Kahn], u. Tante Paula u. Fränze u. Kinder. Gassenheimers wohnen in Gelsenkirchen. Unsere alte Oma fühlt sich nicht so arg wohl in ihrem Heim. Sie fühlt sich fremd unter Fremden. Wenn es nicht so arg kalt ist, will ich sie besuchen. Wie war denn der Winter bei Euch? Es ist schön, daß du schon allerhand in der Schlosserei fertig bringst. Marion [Sander] geht in irgendeine Schule, sie schrieb gestern ihren Leuten, sie habe eine Klasse übersprungen, wahrscheinlich wegen gutes Können. Sie hatte sich auch nach deiner Arbeit erkundigt. Sonst verläuft unser Leben still u. einsam. Wir freuen uns mit den Briefen von Euch beiden „Kleinen“. Ich bin neugierig wie es in diesem Jahr mit der Mazze [Matze] wird. Nun noch recht herzl[iche] Grüße von Deiner Mama

Lieber Bill! Vor etwa 14 Tagen ging schon ein Brief an Dich ab. Wir d. h. Flora u. ich hoffen bis Mai/Juni wegzukommen. Wenn es ein bißchen wärmer wird, u. es gerade so aus, gibt’s wohl auch Arbeit. Du scheinst Dich ja dort wohl zu fühlen, das freut mich. Dein Freund Norbert ist gestern weggegangen, er hatte viel Langeweile. Herzl. Grüße für Dich lieber Kleiner von Deinem Grussen.

Dir lieber Willy, recht herzl. Grüße von Deiner Flora. Wir erhalten von unserem Albert [Wolf, der Bruder von Flora Wolf Müller] regelmäßig gute Berichte!

 

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